Projektbeispiel Altlasten

SANIERUNG DER ALTLAST „KOKEREI LINZ

Die im zweiten Weltkrieg entstandene Altlast „Kokerei Linz“ liegt im nördlichen Teil des Stahlwerkes der voestalpine in Linz. In der Kokerei wird der zur Roheisenproduktion benötigte Koks erzeugt. Dabei fallen bei der Reinigung der durch die Verkokung entstehenden Abgase als Nebenprodukte Rohbenzol, Schwefelsäure und Rohteer an. Die 1942 in Betrieb genommene Kokerei wurde gegen Ende des Zweiten Weltkrieges durch Luftangriffe schwer beschädigt. Dabei kam es zu großflächigen Schadstoffaustritten. Aufgrund des äußerst hohen Schadstoffpotenzials und der weitreichenden Schadstoffausbreitung besteht eine erhebliche Gefahr für die Umwelt, insbesondere für das Grundwasser. Der Altstandort „Kokerei Linz“ wurde daher als Altlast mit Prioritätenklasse 1 im Altlastenatlas* ausgewiesen.

Durch die Zerstörung der Kokerei gelangten vor allem Teerprodukte und Benzol in den Untergrund. Daraus resultieren massive Teerölkontaminationen. Der Untergrund, aufgeteilt auf zahlreiche „Hot-Spots“ ist mit hohen Konzentrationen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) und Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW) belastet. Im Grundwasser hat sich eine PAK-Schadstofffahne von mehreren hundert Metern Länge gebildet. Das Schadensbild im Grundwasser zeigt sich insbesondere in Form von ausgedehnten Teerölphasen, die je nach Phasendichte entweder am Grundwasserspiegel aufschwimmen oder sich am Grundwasserstauer absetzen. Auch Untergrundbereiche oberhalb des Grundwasserspiegels sind erheblich durch aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX) kontaminiert.

Die Sanierung der Altlast „Kokerei Linz“ ist entsprechend dem komplexen Schadensbild als Kombination von mehreren Teilmaßnahmen konzipiert. Ziel ist es, die Schadstoffausbreitung im Grundwasser zu unterbinden und die Schadstoffe in den „Hot-Spots“ durch folgende Teilmaßnahmen zu entfernen:

  • Errichtung einer durchströmten Filterwand im Grundwasserabstrom der Altlast um eine Ausbreitung von Schadstoffen im Grundwasser unmittelbar zu unterbinden. (Fertigstellung 2015)
  • Bodenluftabsaugung oberhalb des Grundwasserspiegels um BTEX-Kontaminationen zu entfernen. (Fertigstellung 2015)
  • Abschöpfung der Teerölphasen aus dem Grundwasser: Dazu wird ein Netz aus bis zu 100 Entnahmebrunnen und Horizontaldrainagen mit Absaugstationen sowie eine Aufbereitungsanlage errichtet und betrieben. (Fertigstellung 2017)
  • Räumung der „Hot-Spots“: Dabei werden etwa 500.000 m³ Untergrund ausgehoben. Das hoch kontaminierte Material wird zum überwiegenden Teil vor Ort in einer Behandlungsanlage gereinigt („Bodenwäsche“) aber auch extern behandelt. Die Wiederverfüllung erfolgt mit gereinigtem Material aus der Bodenwäsche bzw. nicht kontaminiertem Fremdmaterial. (laufend bis 2019)

Die erzielten Umweltauswirkungen der beschriebenen Schritte sind durch umfangreiche Beweissicherungsmaßnahmen bereits nachweisbar: Es konnte eine weitgehende Reduktion der PAK-Belastung im Grundwasserabstrom sowie eine Reduktion der PAK-Belastung im Anstrom zur Filterwand aus Einzugsbereichen geräumter „Hot-Spots“ erreicht werden. Die Räumung der hochkontaminierten Untergrundbereiche und die Phasenschöpfung bewirken eine direkte Entfernung der Schadstoffquelle. Für die Filterwand wird damit eine Reduktion der erforderlichen Betriebszeit und des Betriebsaufwandes, wie zum Beispiel Filteraustausch, erzielt.

*Der Altlastenatlas ist eine Verordnung auf Basis des Altlastensanierungsgesetzes. Mit Stand 01.01.2017 sind im Altlastenatlas österreichweit 288 Altlasten ausgewiesen, bei denen eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit des Menschen oder die Umwelt ausgeht. Davon sind 152 als bereits saniert oder gesichert bewertet, bei 57 laufen Sanierungsmaßnahmen und bei 79 ausgewiesenen Altlasten wurden bisher noch keine Maßnahmen gesetzt. Altlastenatlas online

Urheberrecht: voestalpine Stahl GmbH